Geschichte des Brotmarkts

1991 sollte für die Stuttgarter Bäcker ein besonderes Jahr werden: Das Jubiläum 100 Jahre Bäckerinnung stand an. Aber wie feiern? Auf der Suche nach der passenden Veranstaltung machten sich die Bäcker zwei Vorgaben: Sie sollte zum einen öffentlich wahrgenommen werden und außerdem die tagtägliche handwerkliche Arbeit in den zahlreichen Backstuben der Landeshauptstadt veranschaulichen. Und zwar am besten dauerhaft.

Ein jährlich wiederkehrender Markt, auf dem die Bäcker sich bewusst auf einen zentralen Teil ihres Sortiments beschränken – das war schließlich die Quintessenz aus Überlegungen, Abwägungen und Inspiration von außen. Wohlwollend unterstützt von der Stadtverwaltung, wurde die Idee in die Tat umgesetzt: Am 12. Juni 1991 eröffneten der damalige Innungs-Obermeister Gerhard Sailer und sein Stellvertreter Rudolf Frank zum ersten Mal den Stuttgarter Brotmarkt.

In den ersten beiden Jahren fand der Brotmarkt noch auf dem Schillerplatz statt, parallel zum dortigen Wochenmarkt. 1993 dann der Sprung rüber auf den Schlossplatz. Schnell zeigten sich die Vorteile: ungeteilte Aufmerksamkeit, größere Nähe zu den Kunden und ein höherer Zuspruch des Publikums.

„Unser wichtigstes Anliegen war und ist ja nach wie vor, Kontakt zu den Verbrauchern zu zeigen“, erklärt Rudolf Frank, selbst Brotmarkt-Bäcker der ersten Stunde. „Auf dem Brotmarkt können Sie den Chef selber sprechen, wir erklären unsere Preise und unsere Zutaten und wir zeigen, wie es in unseren Backstuben zugeht – wir haben schließlich nichts zu verstecken.“

Jedes Jahr kamen neue Ideen oder Beteiligte hinzu: das Backmobil etwa, an dem die Bäcker vor Ort ihre Kunst zeigen; die Bewirtung durch den Bäcker-Chor Philia; oder der Stand der Hoppenlau-Schule, an dem Bäcker-Auszubildende Eigenkreationen verkaufen. Bauten die Bäcker anfangs ihre Zelte eigenhändig auf und ab, hat dies inzwischen ein Dienstleister übernommen.

„Wir haben jedes Mal an Niveau zugelegt und sind attraktiver geworden“, findet Rudolf Frank im Rückblick. „Eines ist aber in über 20 Jahren Brotmarkt gleich geblieben: Es gibt ausschließlich Brot.“ Und das soll auch weiterhin so bleiben. Schließlich ist das älteste Produkt des Bäckerhandwerks nach wie vor auch das wichtigste.